| Von 1882 an besucht George in
Darmstadt das Ludwig-Georgs- Gymnasium, wo er 1888 das Abitur ablegt.
In dieser Zeit entstehen bereits viele Gedichte, die aber erst 1901 in
"Die Fibel"
erscheinen. Nach dem Abitur bereist George mehrere europäische
Metropolen. So auch London, Mailand, Montreux und Paris. Hier begegnet er
dem französischen Dichter und wichtigen Vertreter des Symbolismus
Stephane Marlarme´. Dieser beeinflusste stark die ersten zehn
Schaffensjahre Georges. In diese erste Schaffensperiode fallen die
zwischen 1890 und 1900 enstandenen Gedichtbände Hymnen,
Pilgerfahrten, Algabal, die Bücher der Hirten
und Preisgedichte, das Jahr
der Seele und der Teppich
des Lebens. In diesen Jahren entstanden auch zahlreiche Umdichtungen
(hierbei handelt es sich nicht um bloße Übersetzungen, sondern um
Nachdichtungen, die Sinn und Rhythmus der ursprünglichen Dichtung
nachempfinden) von europäischen Dichtern. (Siehe auch Werke).
Zwischen 1891 und 1906 verbindet George und Hugo von Hoffmannsthal eine
Beziehung, die nur in ihrem Aufkeimen freundschaftlich genannt werden
kann. Hoffmannsthal lieferte zwar einige Beiträge für die "Blätter
für die Kunst", gehörte jedoch nicht dem engeren Kreis um
George an. Der George-Kreis ist ein wichtiger Aspekt zum Verständnis von
Leben und Werk des Dichters. Als der Kreis sich bildete war er ein Bund
von Gleichen und Gleichgesinnten in ihrer Auffassung von Kunst und
Dichtung. Doch schon bald war George der "Meister" ,
sowohl durch seine überlegene Schaffenskraft als auch durch seinen
philosophisch - pädagogischen Anspruch an seine "Jünger".
Zu diesem Kreis gehörten unter anderen Paul Gerardy, Karl Wolfskehl,
Ludwig Klages und später Friedrich Gundolf. Stefan George pflegte überwiegend
Männerfreundschaften, die im Bezug auf die noch jungenhaften Mitglieder
der Kreises auch homoerotische Züge trugen. Dies darf aus den
Erinnerungen von Zeitzeugen und den Berichten seiner Biographen entnommen
werden. Zwischen 1894 und 1896 hatte S.G. jedoch eine "Romanze"
mit der in Bingen lebenden Ida Coblenz. Ihr sind einige Gedichte Georges
aus dieser Zeit zugeeignet. Nachdem sich Ida Coblenz jedoch ihrem späteren
Mann Richard Demel zugeneigt zeigte, brach George gekränkt die Beziehung
ab. Zeit seinen Lebens führt George den Lebensstil eines Dandys. Er
hat keinen festen Wohnsitz und ist immer auf Reisen und bei Freunden. Im
elterlichen Wohnhaus in Bingen und bei Familie Wolfskehl in München hat
er ein Zimmer, dass ihm immer zur Verfügung steht. Er legt keinen Wert
darauf aus seinem künstlerischem Schaffen auch finanzielle Vorteile zu
ziehen, lehnt dies geradezu ab. Eine Rente aus dem elterlichen Betrieb und
später auch Zuwendungen aus seinem größer werdendem Kreis lassen ihn
ein von materiellen Dingen unabhängiges Leben führen. Als George
1902 den vierzehnjährigen Maximilian Kronenberger kennenlernt beginnt ein
aus heutiger Sicht nur schwer verständliches Kapitel im Leben des
Dichters. Der Junge "Maximin" (so nennt ihn George) wird vom
zwanzig Jahre älteren George zur Gottheit hochstilisiert. Der engere
Kreis um George folgt seinem Meister. So entsteht, besonder nach dem frühen
Tod Maximins im Jahre 1904, der sogenannte "Maximin-Kult".
Zeugnis gibt hiervon ein "Gedenkbuch" für Maximin und der 1907
erscheinende Gedichtband "Der siebente Ring". Es ist Georges
siebtes Werk und das erste, in dem der Dichter einen mahnenden und
urteilenden Ton anschlägt, wie er sich in den noch folgenden Werken
fortsetzt. Auch besteht der Kreis um George inzwischen nicht mehr aus
Gleichen und Gleichgesinnten, sondern ist eine Gruppierung von Jüngern
(vornehmlich auch Jüngeren) um den "Meister" George. Im
Kreis erhofft sich George die Keimzelle für einen neuen
"Staat", dessen Ausgestaltung in den für den Dichter
bestimmenden Werten der Nachfolge und Nachahmung eines geistigen Führers
liegen.( Dieser Anspruch wurde, und wird
teilweise noch heute, als Wegbereitung für Hitlers drittes Reich
fehlinterpretiert. Vielmehr hat sich George später eindeutig von den
Anbiederungsversuchen durch den Reichspropagandaminister Josef Göbbels
distanziert. George schlägt den ihm durch Göbbels angetragenen Vorsitz
der Gesellschaft für deutsche Dichtung aus. Die Nachricht lässt er Göbbels
durch Wolfkehl, der Jude ist, überbringen. )
In den Jahren 1910 bis 1912
erscheinen die "Jahrbücher für geistigen Bewegung".
Herausgegeben von Friedrich Gundolf und Friedrich Wolters, beides George-Jünger,
wollen sie " in der Jugend das Gefühl für die gefärdeten Grundkräfte
wachrufen : Ernst , Würde und Hochachtung". Georges prophetisches
Sendungsbewusstsein wird auch in dem kurz vor Ausbruch des 1.Weltkriegs
erscheinenden Gedicht "Der Krieg" deutlich.
- Die deutsche Niederlage bestärkt George in seinem pädagogischen
Glauben, für das Volk eine hellenisch beeinflußte Vision vom Ethos
der Jugend schaffen zu müssen. In der Weimarer
Republik, der er distanziert gegenübersteht, vereinigt sein Schülerkreis
zionistische und antisemitische Mitglieder ebenso wie nationalistische
und republikanische Anhänger. Der Einfluß des George-Kreises, dem
auch Claus
Schenk Graf von Stauffenberg angehört, ist in dieser Zeit vor
allem für die Jugendbewegung prägend.
- 1927
- Die Stadt Frankfurt/Main verleiht George den ersten Goethepreis, den
dieser jedoch ablehnt und erst auf Drängen ohne öffentliche Ehrung
annimmt.
- 1928
- Die Gedichte seines Spätwerks faßt er in "Das neue
Reich" zusammen. Die völkischen Ideologen der immer stärker
aufkommenden Nationalsozialistischen
Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) versuchen, George als Vorreiter
zu vereinnahmen. Dieser versteht sein "neues Reich" jedoch
als ein geistiges und warnt seine Schüler vor der politischen
Demagogie.
- 1933
- Nach der Machtübernahme
der Nationalsozialisten wird ihm von Joseph
Goebbels die Präsidentschaft einer neuen deutschen Akademie für
Dichtung angeboten. Diesem Angebot verweigert er sich aber. Ehrungen
zu seinem 65. Geburtstag lehnt er ab und begibt sich in die Schweiz.
- 4. Dezember: Stefan George stirbt in Minusio (bei Locarno).
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